Der Gast musste wohl wissen, dass sie bis vor kurzem eine einfache Zahori war – dies jedoch hatte den Baron nicht davon abgehalten, den gemeinsamen Bastard anzuerkennen und diesem Weibe ein Eheversprechen zu geben. Am meisten empörte sich der Adel, dass er seine Herzensdame nach den ersten Spötteleien kurzerhand zur Edlen von Buchheim erklärte, was ihnen doch ein wenig den Wind aus den Segeln nahm.

Lief sie baren Fußes? Fragte sich der Teichenbinger noch, als sie plötzlich neben Rondrian stand. Katzenhaft fast.

Schüchtern sah sie den Fremden mit großen Augen an, während sie ihr Kinn kurz neigte. Besorgt sah sie zu dem weit größeren Geliebten hoch, während sich eine Hand seinen Ellenbogen zart umfasste.

„Eure Eltern … erschlagen?“ flüsterte sie atemlos. Dabei spürte sie, wie sich die gewaltigen Muskeln seines Armes anspannten. Sie spürte als erste das Zittern, als sich sein ganzer Körper verkrampfte.

Mühsam um Beherrschung kämpfend drehte sich der Baron von Wolfenbinge um und schwer stützte er sich auf seinen thronartig geschnitzten Lehnstuhl. Seine Knöchel knirschten, als sich seine Finger immer fester um das Holz schlossen.

Roanna sah, wie ihr Liebster mit sich kämpfte, verzweifelt darum rang, die Fassung zu wahren. Doch dieses Mal musste der Blauenburger unterliegen.

Mit einem geradezu tierisch anmutenden Aufbrüllen packte Rondrian sein schweres Sitzmöbel mit einer Hand, hob es empor und schleuderte es mit solcher Wucht in den großen Kamin, dass der Stuhl mit rondragleichem Donner auf dem Stein aufschlug und in unzählige Teile zerbarst.

Nun erst war der Ritter wieder zu klarer Rede in der Lage. „FEIGER MORD?! GIFT?! MAGIE?!“ Rondrian schnappe nach Luft. Dann wankte er und setzte sich auf den strohbedeckten Boden – er hatte ha keinen Stuhl mehr.

„Diese götterverfluchten Spitzohren. Das werden sie bereuen. Ich war immer so nachsichtig mit ihnen. Habe ich nicht meine Bauern davon abgehalten übermäßig Holz zu schlagen? Habe ich nicht alles getan, um ein einvernehmliches Miteinander zu ermöglichen? Ich wollte sogar meine Tochter in Donnerbach unterrichten lassen. Ja sogar diese unverschämten Forderungen der... der sogenannten Vana-Elfen hab ich mir anhören müssen.

Und wie dankt mir dieses Elfengeschmeiß das? Mit feigem Mord.“ Fassungslos sprach Rondrian mehr zu sich selbst, als zu den beiden Adligen.

Dann aber wurde er sich seiner unrühmlichen Position bewusst und er erhob sich hastig.

Noch während er sich Strohhalme aus den Falten seiner Cotta strich, knurrte er bedrohlich: „Aber das hat nun ein Ende. Ich werde den Spitzohren schon zeigen, was es bedeutet, sich die Blauenburger zum Feind zu machen.“

Das Funkeln seiner Augen ließ für einen Augenblick befürchten, der ‚Fluch des Wolfes’ von dem die Dienerschaft schreckhaft flüstert, sei zurückgekommen, doch einen Moment später, hatte sich der Baron wieder im Griff. Sehr viel ruhiger sprach er zu seinem Gast, während er die Hand Roannas mit seiner Pranke umschloss. Sie fühlte, wie er Kraft aus dieser Berührung gewann. „Birselburg ... Erwulf ... habt Dank! Habt Dank für Eure schnelle und ehrliche Kunde. Und habt meinen Dank dafür, dass ihr den Ruchlosen erschlagen habt. Dafür stehe ich in Eurer Schuld.“