Ilene eilte geschwind durch den Torbogen um die Besucher anzukündigen, doch kaum war sie in den hellen Praiosschein des Burghofs geschritten, da sah sie ihren Herren auch schon heranschreiten. Offenbar war dem Blauenburger schon von der Turmwache das Nahen hoher Herrschaften mitgeteilt worden. Und trotzdem sah der Baron aus, als würde er aus einem Kampf kommen. Der Morgenstern in der Rechten, seinen Schild in der Linken, das Haar schweißnass, das Antlitz aber sehr zufrieden. Direkt in seinem Schatten kam sein Knappe Inghâm von Tandosch hinterdrein. Auch er war gerüstet und völlig durchnässt. Beide hatten wohl soeben ihre Waffenübungen gemacht.

Die Waffenmagd wendete auf den Hacken und hieß den Teichenberger herein treten.

Da schallte dem Herrn auf Fuchsstein auch schon der Bariton des Blauenburgers entgegen. „Teichenberg, seid mir gegrüßt und willkommen! Welch seltene Ehre in diesen Mauern!“ Rondrian von Blauenburg musterte seinen Gast, und sein Blick blieb für einen kurzen Augenblick am Kriegshammer an dessen Sattel und am Streitkolben an dessen Seite hängen. Ein Mann ganz nach des Blauenburgers Geschmack.

Inghâm ließ sich von seinem Baron dessen Waffen geben. Dabei dachte er sich, dass der Teichenberger der rechte Besuch zur rechten Zeit war. So wie der aussah, könnte er die Herren bestimmt aufheitern. Und das war auch nötig, denn erst vor wenigen Praiosläufen war traurige Botschaft auf der Burg angekommen. Beide Elternteile des Barons waren kurz aufeinander zu Boron gerufen worden. Inghâm war sich sicher, dass der Blauenburger ohne seine Liebste Roanna wieder in tiefster Schwermut versunken wäre, so wie nach dem Fall Wehrheims.

Freundschaftlich legte der Wolfenbinger seinem Gast die Linke auf die Schulter, während er mit der Rechten den Unterarm seines Gastes ergriff. „Kommt, lasst uns in die Halle gehen und einen guten Humpen nehmen.“

„Das Angebot was zu heben, nehm’ ich gern an,“ erwiderte der so gegrüßte freundlich, auch wenn sein Gesicht zeigte, dass es nicht allein Gutes war, was ihn zum Blauenburger gebracht hatte. „Allein, ich schwor der gütigen Herrin keinen Tropfen Brand mehr anzurühren, seit dieser Geschichte mit meiner Schwester.“ In Momenten wie diesen hasste er seinen Schwur besonders. Allein, es war Teil seiner Buße und er musste sie tragen.