Anfang Travia im Jahre 1047 BF
Junkergut Wolfspfort, Gräflich Reichsend, Grafschaft Heldentrutz, Herzogtum Weiden
Dramatis Personae:
Gerwulf von Obertobel, Knappe
Ucurian von Orkendräu, Dienstritter Tiras
Linje Schwarzenbinge, Perainegeweihte
Grimfold Secundius von Reiherteich am Meisenfluss, von Tiras eingesetzter Ministerialer und Verwalter
Eine Woche war der Junker von Wolfspfort nun schon tot und die Situation war gar nicht gut geworden.
Er konnte Ucurian nichts Recht machen und das hatte gleich am ersten Morgen angefangen. Da das Herrenhaus nur eine Ruine war, hatte der Ritter im Haus des Büttels Quartier bezogen. Der einarmige Veteran war dem Junker in der Nacht zu Hilfe gekommen und hatte dafür mit dem Leben bezahlt. Ein Verlust, den Gerwulf herzlich bedauerte. Sicherlich hatten die Leute die Nase gerümpft, als Anshold einen Krüppel zum Dorfbüttel ernannt hatte. Aber Gerwulf hatte gesehen, wie sich Leute im Gasthaus stritten. Als der alte Knorrhold den Raum betreten und sie ernst angesehen hatte, hatten sie beschämt den Blick gesenkt. Niemals wäre jemand auf die Idee gekommen, mit dem alten Veteranen zu streiten. Das war ein Meisterstück des Junkers gewesen. Und nun, da er tot war, hatte der Ritter seine Hütte in Beschlag genommen und beschieden, dass sie für zwei Leute zu klein gewesen sei. So hatte Gerwulf beim Herrn Eichenschlag angefragt, ob er einen Sack im Schlafsaal des Grünen Waidmanns benutzen dürfe. Das, so hatte der Wirt empört beschieden, käme für den Herrn Knappen gar nicht in Frage und er hatte ihm das Bett in dem Spezialzimmer gegeben, in dem sonst die hohen Gäste nächtigten.
Wie Gerwulf befürchtet hatte, konnte er kaum Schlaf finden und stand auf, als die ersten Sonnenstrahlen sich zeigten. Er zog sich an und schnallte das Bastardschwert auf den Rücken. Das war etwas, was ihn wurmte. Der Junker hatte das Schwert immer an der Seite getragen. Aber als er das versucht hatte, war die Klinge über den Boden geschrammt. Immerhin war er fast anderthalb Köpfe kleiner als der Junker. So blieb ihm nichts übrig, als die Klinge auf dem Rücken zu tragen. Aber sie war die Erinnerung an seinen Herrn. Und nichts würde ihn dazu bringen, sie abzulegen. Der Knappe nahm sein wattiertes Unterzeug und zog mit ihm zum Bockenbach, wo er es ausgiebig und mit einer Unmenge Seife wusch. Dann hatte er es über einen Zaun zum Trocknen gehängt und war zum Gutshaus gegangen. Dort hatten Leute aus dem Ort bereits zwei Ochsenkarren aufgestellt, einen für Material, das man noch verwenden konnte und einen, in den solches kam, das nur noch Schrott war.
Hier hatte ihn der kleine Alrik gefunden, wie er gerade einen hölzernen Balken zum Abfallkarren wuchtete. Der Junge, der neben dem Haus des Büttels wohnte, hatte ihn aufgeregt mitgezerrt, denn der Ritter suche ihn und sei äußerst ungehalten.
Das war er auch noch, als Gerwulf in das Haus trat. Einer der beiden Kuhbauern stand an dem Tisch, hinter dem Ucurian saß. Gerwulfs Gedanken schweifte kurz ab. Die zehn Kühe, die das Gut besaß, hatte im letzten Jahr ein Baron aus Baliho geschickt. Gerwulf wusste nicht einmal wer. Darum hatte der Junker sich immer gekümmert.
"Wo bist Du gewesen? Hast Du nicht gelernt, pünktlich zu sein und Deinen Ritter zu unterstützen?"
Gerwulf zuckte zusammen. Unterstützen ließ Anshold sich selten. Und der Ritter hatte nicht verlauten lassen, dass er ihn bräuchte.
"Verzeiht Herr, ich hatte im Gutshaus aufgeräumt."
"Gesindearbeit?" Ucurian rümpfte die Nase. "Seine Aufgabe ist es wohl nicht, Unrat zu räumen, sondern den Schwertkampf zu trainieren."
Er blickte wieder zu dem Bauern und trommelte dabei mit den Fingern auf den Tisch. Gerwulf fiel auf, dass er an jedem Finger einen schweren Ring trug. Weshalb wohl? Besonders eitel wirkte der von Orkendräu eigentlich nicht.
"Du hast noch nicht gesagt, was Du willst?"
"Herr", erwiderte der Bauer, "der Stall hat in der Nacht Feuer gefangen. Werdet Ihr Euch kümmern, dass die Kühe wieder ihren Unterschlupf haben?"
Von Orkendräu kniff die Augen zusammen und taxierte den Bauern. "Werde ich mich darum kümmern? Nun, mir scheint, dass du dich kümmern musst. Immerhin bist du ja für mein Vieh verantwortlich. Im Übrigen, was belästigst du mich mit Kühen. Wende dich mit einem solchen Anliegen an den Haushofmeister."
"Herr Freidank", wandte Gerwulf von der Seite ein, "ist bei dem Feuer im Gutshaus umgekommen."
"Dann werde ich wohl in Reichsend anfragen, dass der Vogt mir einen Verwalter schickt." giftete Ucurian in Gerwulfs Richtung. "Es ist einem Ritter wohl kaum zuzumuten, sich mit Verwaltungskram zu belasten, während er für die Sicherheit des Reiches sorgt."
Er drehte sich zu dem Bauern, der bereits einen Schritt in Richtung der Tür zurückgewichen war. "Und nun husch. Hast Du nicht einen Unterstand für meine Kühe zu bauen?"
Er wartete, bis der Bursche aus dem Haus geeilt war, dann drehte er sich langsam zu dem Knappen um.
"Ich bin nicht sicher, was der von Erlbrück hier für ein Regime geführt hat. Aber ein Knappe der faul ist und Widerworte gibt? Sowas wird es künftig nicht geben."
"Ich bin nicht faul gewesen...", platzte es aus Gerwulf heraus. Aber damit hatte er den Bogen wohl überreizt. Der Ritter sprang um den Tisch und hieb ihn nieder. Der Knappe war viel zu überrascht, um überhaupt daran zu denken, auszuweichen, und so traf ihn die Faust mitten ins Gesicht. Gerwulf wurde zu Boden geschleudert und schlug mit dem Kopf gegen den Tisch. Nun wusste er auch, wozu der Ritter die Ringe trug. Wie ein Schlagring hatten diese sich in das Gesicht gebohrt, die Haut aufgerissen und den Knochen unter dem rechten Auge zerschmettert.
Von oben sah der Ritter auf ihn herab.
"Nun, das wird dir eine Lehre sein, nicht ständig zu widersprechen. Beachte er die praiosgewollte Ordnung." Er schüttelte den Kopf. "Unmöglich, dass du mich zu so etwas zwingst." Er zog die Mundwinkel abfällig hoch. "Schlimm, wie der Junker hier gehaust hat. Es ist wohl Zeit, dass hier Zucht und Ordnung einkehren."
Er drehte sich zu seinem Schreibtisch und trat dem jungen Knappen dabei noch einmal in die Rippen.
"Du solltest zu der Geweihten gehen, damit sie sich das ansieht. Und danach komm wieder her, damit wir deine Ausbildung fortsetzen können."
Blutend und mit schmerzendem Kopf taumelte der Knappe durch den Ort, bis er auf Arlan Brachfelder traf. Der Waffenknecht nahm ihn unter den Armen und stützte ihn auf dem Weg in den Tempel.
"Gütige Göttin, was ist ihm passiert?" Die Geweihte lenkte ihn sofort zu einer Liege. Das war sehr gut, denn auf dem rechten Auge konnte Gerwulf nichts sehen und das linke war blind von Tränen.
"Ich weiß es nicht", meinte der Waffenknecht, "hab ihn so auf der Straße gefunden. 'N Wunder, dass er noch laufen kann."
Die Dienerin der Peraine hatte sich den Knappen angeschaut.
"Ein Wunder wird es sein, wenn wir das Auge retten können. Der Knochen darunter ist gebrochen. Und wie es scheint, hat ein Splitter das Auge getroffen. Du solltest für den Jungen beten. Er wird jede Gnade brauchen."
Sie ging zu ihrem Schrank und holte ein kleines Fläschchen daraus hervor. Das setzte sie dem Knappen an die Lippen.
"Trink das", forderte sie, "es lindert die Schmerzen."
Dann legte sie ihre linke Hand auf das verletzte Gesicht und bot ihm mit der Rechten, die die seine hielt, Trost.
"Gütige Mutter Peraine, ich bitte Dich, heile diese Wunde. Füge wieder zusammen, was zerrissen wurde, richte, was gebrochen ist. Und sorge für diesen Jungen."
Nach einer Weile zog sie die Hand zurück. Bis auf eine leichte Röte, war nichts mehr zu erkennen.
"Da habt Ihr Glück gehabt, Herr Knappe. Und nun berichtet, was geschehen ist?"
"Ich war wohl vorlaut und der Herr Ritter hat gemeint, mich züchtigen zu müssen."
"Züchtigen? Fast totgeschlagen hat er Euch. Na warte, dem werde ich ..."
"Bitte nicht", bremste Gerwulf den Zorn der Geweihten, "der Ritter ist kein Mann, der eine Kritik annehmen würde. Ein Ausbruch von Euch wäre für uns beide nicht gut."
Er erhob sich langsam und etwas wackelig. "Und jetzt muss ich zurück und trainieren."
Als wäre nicht geschehen, hatte der Ritter auf ihn gewartet. Einen weiteren Schlag hatte Gerwulf sich eingefangen, als er mitgeteilt hatte, dass er seinen Gambeson gewaschen hatte und deshalb nun nicht tragen könne. Diesmal hatte der Ritter aber geradezu leicht zugeschlagen und nur gemeint, dass der Knappe wohl noch den Gürtel kennenlernen müsse.
Dann hatte er ihm ein Holzschwert zugeworfen, dass er im Haus des Büttels gefunden hatte und ihn nach draußen geschickt. Wenn er nicht auf seine Ausrüstung acht gäbe, müsse er wohl ohne die wattierte Unterrüstung trainieren. Das würde ihn schon lehren, mit seinen Sachen sorgsam umzugehen.
Nachdem seine Lektion am Nachmittag fertig war, verbrachte der Knappe den Abend im Peraine-Tempel.
*****
Am nächsten Tag war der Ritter nicht aufzufinden. Aber er hatte einen Zettel auf seinem Tisch hinterlassen, dass er zu tun habe und der junge Knappe alleine lernen solle. Also nahm sich Gerwulf ein Pferd und ritt aus. Erst hatte er überlegt, einen der beiden braunen Warunker zu nehmen, die Anshold gehörten. Aber da der Junker ihn nicht mehr reiten würde, entschied er sich stattdessen Nachtwind auszureiten, den pechschwarzen Tralloper mit der weißen Blesse auf der Stirn, der dem Junker gehört hatte. Gerwulf hatte Geschichten gehört, dass Tralloper von den Einhörnern abstammten. Natürlich glaubte er nicht daran ... aber die Blesse markierte genau die Stelle, an der ein Einhorn sein Horn hätte. Er war den halben Tag ziellos geritten, als er merkte, dass ihn sein Ritt zum Turm Mathur geführt hatte. Also band er Nachtwind an, schaute sich um und betrat dann den Turm.
Es war nicht so schlimm, wie er nach dem Bericht der Geweihten befürchtet hatte. Der Turm war nicht abgebrannt. Wohl hatten die strohgefüllten Schlafsäcke Feuer gefangen und das gesamte Stockwerk verwüstet. Der hölzerne Boden war ebenso angegriffen wie die Treppe und die Decke. Aber er stand noch. Es würde sicherlich einige Ausbesserungsarbeiten brauchen, aber insgesamt hatte der Turm gehalten und wenn der Graf wieder Schwarzfedern schickte, konnte er auch schnell wieder besetzt werden. Er hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, als er schwere Schritte von oben kommen hörte.
"Wer da?" dröhnte die Stimme Jarlan Brachfelders durch den Turm. Dann hatte er die Treppe überwunden und sah den Knappen. "Ah, Ihr seid es."
"Du bist auf dem Turm?"
Jarlan schaute ihn an, als sei diese Frage eine sehr dumme gewesen.
"Nu, wo der Ritter tot ist, können wir den Turm ja kaum aufgeben. Also wechseln Arlan und ich uns ab." Er zögerte. "Und hoffen, dass bald Entsatz kommt. Die Waffenmeisterin wollte immer mehr von uns an den Armbrüsten ausbilden... wird sie ja nu nich mehr. Is schade. Aber mehr hätten wir schon gebraucht. Jetzt können wir kaum beide Türme besetzen."
Gerwulf durchströmte plötzlich ein unendliches Gefühl von Erleichterung. Wenn Wolfpfort solche Leute hatte, dann würde das Gut sicher wieder aufblühen.
*****
Schon am nächsten Tag war eine Kutsche im Ort eingetroffen, aus der ein hagerer Mann ausgestiegen war. Anderen wäre wohl das Holzbein als erstes aufgefallen, aber Gerwulf bemerkte als allererstes den stechenden Blick aus den fast weißen Augen. Nur ganz blass konnte man eine blaue Iris darin vermuten.
Er wandte sich an die erstbeste Frau, die er auf dem Marktplatz fand.
"Mein Name ist Grimfold Secundius von Reiherteich am Meisenfluss. Der Vogt schickt mich. Bringt mich zu Ritter von Orkendräu."
Am Mittag traf er auf Gerwulf.
"Ich habe mit dem Ritter und dem Wirt der Herberge gesprochen. Ich werde im Grünen Waidmann schlafen." Er guckte Gerwulf in die Augen, "ich nehme an, ein junger Mann wie ihr wird einem alten Recken wie mir nicht das Bett streitig machen wollen?" Das wollte der Knappe in der Tat nicht und ließ sich vom Herrn Eichenschlag einen Strohsack für sich in den Raum bringen. Das Bett war nett, aber tatsächlich waren die Schlafsäcke des Wirtes floh- und wanzenfrei und durchaus gemütlich.
Am Nachmittag traf ihn der nächste Schicksalsschlag, als der von Reiherteich ihn abermals ansprach.
"Ich kannte den guten Herrn Freidank. Ein vortreffliches Bosparano, dass er beherrschte. Der Vogt hat mir aufgetragen, in seine Fußstapfen zu treten", er überlegte kurz, "in die Freidanks, nicht die des Vogts. Ich werde seine Ausbildung fortsetzen und Euch in die Feinheiten dieser wunderbaren Sprache einführen." Er guckte Gerwulf an. "Eure Familie hat ein Motto?"
"Nur im Tod endet die Pflicht", antwortete der Knappe.
"Eine vortreffliche Sentencia", erfreute sich der Ministeriale. "Nun sagt, wie heißt es auf bosparano?"
Er schaute den Knappen an.
"Ach, sagt", meinte er beiläufig, "wir werden ja zur Hochzeit des Prinzen fahren. Ihr gedenkt nicht, in diesen Sachen zu reisen?"
Potzblitz, daran hatte Gerwulf nicht gedacht. Natürlich hatte er ein Paar hervorragende Stiefel, eine wunderbare Tuchhose und eine blaue Tunika mit einer silbernen Borte. Nur hatten diese Sachen in seinem Raum gelegen, als das Gutshaus abgebrannt war. Er entschuldigte sich beim Herrn von Reiherteich und rannte los. Es gab im Ort eine Frau, die großartig nähen konnte. Und mit viel Glück hatte sie sogar Stoff, um ein Gewand für ihn herzustellen. Das erwies sich als eine große Hoffnung und ehrlich gesagt, warum sollte sie einen solchen Stoff lagern? Aber von Reiherteich gab ihr Geld und seine Kutsche und ließ sie nach Reichsend fahren, um entsprechend einzukaufen.
*****
Die nächsten Tage waren wie im Fluge vergangen. Waffenübungen mit dem Ritter - er war nicht gut. Anshold hatte seine Schritte gewechselt und war mit dem Schwert unvorhersehbar gewesen. Bei dem Ritter wusste Gerwulf nach einiger Zeit genau, was er als nächsten tun würde und wo er eine Lücke in seiner Deckung hätte. Aber ihn dort anzugreifen oder gar einen Treffer zu landen, hätte nur einmal mehr einen Tanz mit dem Gürtel bedeutet. Also achtete der Knappe stets darauf, den Ritter gewinnen zu lassen. Im Gegenzug ergab er sich den langen Stunden mit dem von Reiherteich, der anders als der Ritter durchaus der Meinung war, dass ein Ritter auch ein Gut verwalten können müsse. So hielt er endlose Vorträge über die Berechnung von Steuern oder die Wege der Gerichtsbarkeit, immer durchbrochen von eingeschobenen Einheiten bosparanischer Übersetzungen. Weil er aber gar nicht so spröde war, wie er sich manchmal gab, streute er immer wieder Geschichten und Anekdoten über historische Schlachten und Kämpfe ein. Einmal fragte Gerwulf, ob er bei einer Schlacht sein Bein verloren habe. Darauf nickte der von Reiherteich nur und fuhr dann mit der Bosparanostunde fort, so dass Gerwulf nie wieder fragte. Und wann immer er freie Zeit gefunden hatte, war er ins Gutshaus gegangen und hatte dort geräumt. So war der junge Mann inzwischen ein gewohnter Anblick zwischen den Trümmern. Mit durchgeschwitztem Hemd und dem Bastardschwert seines Herrn auf dem Rücken bei einer Arbeit, die der Ritter nur dem Gesinde zugedachte.
*****
So kam der achte Tag des Travia und damit der Tag des Aufbruchs. Ucurian von Orkendräu hatte klargemacht, dass wenn der Junker von Wolfspfort zur Hochzeit geladen war, das für ihn gleichsam gälte. Und natürlich müsse sein Knappe ihm als Diener zur Verfügung stehen und mitkommen. Er war merklich angesäuert, als auch Herr Grimfold Secundius von Reiherteich am Meisenfluss erklärte, dass er Dinge mit dem Vogt zu besprechen gedenke und deshalb mitfahre. So hatten alle drei gepackt. Die gute Hildelind hatte sich selbst übertroffen. Sie hatte für den Knappen passende Stiefel in Reichsend gekauft und sich dann daran gesetzt, im eine ordentliche Festtagsgewandung zu nähen. Die schwarze Hose war aus einem feinen Stoff, der sich an die Beine schmiegte. Dazu hatte sie ihm ein weißes Hemd aus feinem Leinen genäht, dessen helle Ärmel sich vorzüglich von der waldgrünen Tunika abhoben. Auf die Brust hatte sie sogar das Wappen derer von Oberotbel genäht, die grüne Tanne in dem silbernen Tal. Nur auf eine Borte, wie sie seine alte Tunika hatte, musste er verzichten. Aber auch so war seine Gewandung einer Prinzenhochzeit absolut angemessen. Diese Sachen hatte er fein säuberlich in einer kleinen Truhe auf der Kutsche des Verwalters verpackt, während der Ritter und er selbst neben der Kutsche herritten. Kurz hatte der Knappe überlegt, abermals Nachtwind zu nehmen, sich dann aber das Gesicht des Ritters auf seinem Pferd vorgestellt, wenn er den edlen Tralloper genommen hätte. Er hatte gesehen, wie der Ritter sich dem Pferd genähert hatte, um es seinerseits zu reiten, aber das Tier hatte ihn nicht an sich herankommen lassen. Ihn so zu demütigen, war unsinnig, also ritt Gerwulf einen der Warunker.
Und so brachen sie zur Hochzeit des Prinzen auf.