Dramatis Personae: 

Anshold von Erlbrück, Junker zu Wolfspfort
Eldora von Erlbrück, seine Tochter
Thorolf Freidank, Haushofmeister, Scriptor und Kämmerer von Wolfspfort
Walderia von Hohenwald, Ritterin und Waffenmeisterin von Wolfspfort

Nachricht aus Schneehag

Rondra 1047 BF, Junkergut Wolfspfort, Finsterwacht

"Ich weiß nicht", Eldora schüttelte den Kopf, "die Böcklins sind sicherlich nicht einfach, aber ihnen das Gut zu nehmen? Dafür dass Firian gegen Orks gezogen ist? Das wirkt nicht richtig."

Nachdem ein Reiter die Nachricht gebracht hatte, dass Graf Emmeran von Löwenhaupt das Lehen zum Heimfall erklärt hatte, hatte sich "der Familienrat" im großen Saal des Anwesens zusammengefunden.

Der Familienrat bestand aus Anshold von Erlbrück, Junker von Wolfspfort, seiner Tochter Eldora, seiner Waffenmeisterin, der Ritterin Walderia von Hohenwald sowie seinem Haushofmeister, Kämmerer und Scriptor, dem nun grimmig dreinblickenden Thorolf Freidank. Nun saßen sie um den großen Tisch aus Steineiche und diskutierten, wie sie mit den Nachrichten umgehen sollten.

Als er sah, dass der Junker weiter schwieg, meldete Freidank sich nun zu Wort.

"In der Tat muss ich gestehen, dass ich eine gewisse Willkür nicht verneinen kann. Und auch eine gewisse Sorge nicht. Das Lehen verloren? Weil er gegen Orks gekämpft hat? Das kann hier jedem Getreuen des Grafen passieren. Jeder in der Finsterwacht kämpft immer wieder gegen Orks."

Nun blickte der Junker doch auf.

"Darum geht es gar nicht. Jeder von uns steht treu an des Grafen Seite. Und jeder von uns bekämpft die Schwarzpelze, wann immer er kann. Aber Firian hat nicht an des Grafen Seite gekämpft. Er hat Männer genommen und sie ohne das Wissen und die Genehmigung des Grafen in einen Feldzug gegen die Pelze geschickt. Fünfzig Mannen! Er hat Schneehag quasi entblößt." Er zögerte einen Moment. "Und er war dumm genug, dabei zu fallen."

Walderia fuhr auf: "Er ist in einen Hinterhalt geraten. Das konnte er kaum vorhersehen. Aber 'dumm' würde ich das nicht nennen."

"Oh, die Geschichte wird durch die Sieger geschrieben", wandte Anshold ein, "nicht durch Verlierer. Firian hat sich schon vorletztes Jahr gegen den Befehl des Grafen gestellt und eine Jagd auf Orks veranstaltet. Aber seinerzeit hat er die Schlacht gewonnen und ist als Sieger heimgekehrt. So konnte der der Graf ihn lediglich zu sich zitieren und deutlich machen, dass er das nicht dulden würde. Aber wie gesagt, damals lebte er und kam ruhmreich aus der Schlacht zurück. Jetzt hat die Familie nicht mal mehr den Triumpf des Sieges. Firian hat Schneehag blank zurückgelassen. Und damit dem edlen Grafen genau die Munition geliefert, die dieser brauchte, um sich der Böcklins endlich zu entledigen."

In die sich ausbreitende Stille fragte Freidank: "Und? Wie werden wir uns verhalten?"

Anshold blickte ihn scharf an. "Wir werden uns nach der durch die Götter gegebene Ordnung halten und die Entscheidung Emmerans respektieren. Wir werden schauen, wem er das Lehen anvertraut und hoffen, dass sein neuer Vogt weniger ... bockig sein wird, als die Böcklins. Und wir werden weiterhin jeden Fußbreit der Wacht gegen jeden einfallenden Schwarzpelz verteidigen."

Querverweis: Graf Emmeran verleibt sich Schneehag ein