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Familie Obertobel
Die Geschichte des Hauses begann mit Firutin von Obertobel (777 – 836 BF), der als verdienter Recke der Sichelwacht 818 BF von Helmgard von Weiden in den Adelsstand erhoben wurde. Immerhin hatte er die letzten Jahre, während Wallfried II seinem Bruder Leuemann von Weiden die Herzogenkrone entrissen hatte, doch fest an der Seite Leuemanns und seiner Familie gestanden. Über seine Frau findet sich in der Familienchronik ebensowenig wie über seinen Sohn Baeromar (803 – 863 BF). Von seiner Tochter Gilamund (838 – 900 BF), deren Sohn Grimmfold (858 – 908 BF), dessen Sohn Ingramm (883 – 946 BF), seiner Tochter Freugern (904 – 973 BF), deren Tochter Freugern II (926 – 976 BF) sowie deren Sohn Ailfir (950 – 999 BF) wird wenig mehr überliefert, als dass sie das Geschlecht fortgeführt haben. Mit wem sie verheiratet waren oder ob sie noch Geschwister hatten, darüber schweigt die Chronik sich aus, weshalb diese Zeit in der Familie meist als die verlorenen Jahre beschrieben wird. Innerhalb der Familie wird hinreichend gestritten, ob der Verlust daran liegt, dass die Chronik selbst 950 BF einem Feuer zum Opfer gefallen war und die Ahnentafel mühsam rekonstruiert werden musste oder ob die Familienmitglieder derart unauffällig waren, dass es über sie schlicht nichts zu schreiben gab.
Erst über Ritter Ulfert (973–1036 BF) steht wieder mehr geschrieben, hatte er wohl 1011 BF die Sichelwacht verlassen, um am Rhodenstein gegen die Orks zu kämpfen. Nach seiner Rückkehr in die Sichel heiratete er seine Gattin Bärlinde (971–1038 BF). Aus ihrer treuen Ehe gingen zwei Kinder hervor: Ulderich (geb. 995 BF), der in die ritterlichen Fußstapfen seines Vaters trat, und Hennya (997–1026 BF). Während Ulderich seinerseits lernte, die Wacht zu verteidigen und wie sein Vater Ritter wurde, lernte Hennya, ein Gut zu verwalten. Beide heirateten ihre geliebten Partner.
Hennya heiratete Anshold von Erlbrück und zog zu ihm in die Heldentrutz. Niemand aus ihrer Familie konnte das Verstehen, gab es dort doch nur Berge und Orks. Sie jedoch folgte ihrem Herzen. Aus der Verbindung mit dem von Erlbrück entstanden die Kindern Eldora (geb. 1018 BF) und Arvid (geb. 1026 BF).
Ulderich hingegen blieb in Meizenich und heiratete Tannfriede (geb. 996 BF). Die beiden bekamen drei Kinder: Drachwill (geb. 1022 BF), Gwynna (geb. 1024 BF) und Gerwulf (geb. 1028).
Der Winter 1035 BF war einer der schwersten, die die Sichelwacht seit langen Jahren gesehen hatte. In der Kälte zog sich Ulfert einen schweren Husten zu. Von diesem erholte er sich nie wieder. Monatelang konnte er nur schwer röchelnd atmen, bis er im Efferd 1036 BF nach langem Dahinsiechen starb. Seiner Frau brach sein Tod das Herz. Sie folgte ihm nur wenig später in Borons Hallen. Nach dem Tod seiner Eltern wurde das Lehen an Ulderich gegeben. Der stämmige Ritter baute den Weiler weiter aus und befestigte ihn mit einem Palisadenzaun, den er um das Dorf herum errichten ließ. Auch sorgte er dafür, dass im Wald vor dem Weiler eine Köhlerhütte errichtet wurde. Sein Meisterwerk war aber die Ansiedlung einer kleinen Sägemühle, für die er einen Säger fand. Ihr Wasserrad pflügt Tag und Nacht durch den Gotjasach und treibt das eine Sägeblatt an. Wer den Ritter sieht, den wundert kaum, dass seine bevorzugte Waffe nicht etwa ein Schwert oder gar Florett ist, sondern eine mächtige Ogerschelle mit der er sich seinen Gegnern – vornehmlich aufdringlichen Goblins – stellt. Mehr als ein Goblin musste Bekanntschaft mit den schweren Eisenkugeln machen, während seine eigene Keule am Schild des Ritters abprallte.
Drachwill folgte seinem Vater und wurde ein Ritter der Sichelwacht, auch wenn er an Stelle einer Ogerschelle den guten alten Kriegshammer bevorzugt.
Seine Schwester Gwynna hingegen hatte im Alter von 10 Jahren ein Erlebnis. Einer der Bauern wurde von einem herabstürzenden Ast getroffen und schwer verletzt. Sie konnte ihn nicht alleine lassen, war aber auch zu schwach, um ihn in den Ort zu tragen. In ihrer Not wandte sie sich an die Barmherzige und wie durch ein Wunder wurde ihr Flehen erhört. Zwar heilten seine Wunden nicht, aber ein anderer Bauer, der sonst niemals diesen Weg genommen hätte, wurde zu ihr geführt. Als sie mit zwölf Jahren die Initiation empfing und in die Gemeinschaft der Zwölfgöttergläubigen aufgenommen wurde, zog es sie nach Uhdenwald. Sie wurde im dortigen Tempel aufgenommen und zu einer Geweihten der Peraine ausgebildet. Erst vor wenigen Jahren kehrte sie nach Meizenich zurück, baute im Ort einen kleinen Schrein für die Göttin auf und zieht seitdem als Dienerin der Gütigen über die Nachbardörfer. Aus Ulderichs Sicht war Gerwulf zwar geliebt, aber auch über. Einen Erben für das Gut hatte er. Gwynna hatte eine Lehre gefunden. Eine weitere Ausbildung zum Ritter zu finanzieren, war dem alten Recken aber nicht möglich und zu einem Gelehrten taugte der Junge nicht wirklich. Wie gesagt, war der Winter 1035 ein besonders schwerer. Das Gut war schon in normalen Jahren nicht mit übermäßiger Nahrung gesegnet, nun aber darbten alle und es schien keine Rettung in Sicht. In dieser Lage entsann sich Ulderich seines Schwagers. Ein Heldentrutzer zwar, aber immerhin jemand, der etwas auf Familie hielt. Wenn er Gerwulf zum Pagen nähme, würde Ulderich dafür sicher nicht viel leisten müssen. Und wenn Gerwulf irgendwann zum Ritter geschlagen würde ... nun ja, auch als Dienstritter würde er ein Auskommen finden. Und tatsächlich war Anshold bereit, den Jungen nach Wolfspfort zu nehmen und dort auszubilden.
