Erkundigungen in Urkenfurt
Urkenfurt, 22. Travia 1043
Lyssandra und Gormla hatten die Nacht in der Weggaststätte „Brückenwirt“ verbracht. Die beiden Frauen hatten ein sich je eine Forelle aus dem Ofen bestellt und die gemeinsame Reise bei einem Met ausklingen lassen. Am Morgen des 22. Travia nahmen sie Abschied. Gormla von Blautann würde weiterreiten zu ihrem Gut Natternhag, das knapp einen Tagesritt von Urkenfurt entfernt an den Ausläufern des Blautanns lag. Lyssandra hatte sich vorgenommen, weitere Erkundigungen bezüglich der Mädchenmorde durchzuführen. Zunächst wollte sie ihren Vorsprung nutzen, denn die Baronin würde wohl erst in ein paar Tagen auf ihrer Burg erscheinen, und den Ritter aufsuchen, der die Untersuchungen leitete. Diesen wollte Lyssandra nun vorab zu seinen Erkenntnissen befragen und ihm vor allem auch in Bezug auf den Spross der Baronin, Ingrold von Hartenau, auf den Zahn fühlen. Anschließend würde sie, wenn möglich, weitere Burgbewohner befragen und auch diejenigen in Urkenfurt, die das Mädchen Demuth gekannt hatten. Sie ging davon aus, dass die Untersuchungen sie in den kommenden Tagen in Urkenfurt und auch in der Umgebung, dort wo die Mädchenleiche gefunden worden war, beschäftigen würden.
Der Tag begann neblig. Über dem Fialgralwa hing das wattige Grau und schlug sich sogleich als feuchter Film auf der Haut nieder, sobald man die wärmenden vier Wände verließ. Leuchtend buntes Herbstlaub klebte auf dem Kopfsteinpflaster, das den Weg von der Brücke hinaus zur Baronsburg bedeckte. Ein paar Hühner hatten sich in der Nähe eines Bauernhofes auf den Weg verirrt. Empört gackernd räumten sie das Feld, als Lyssandra die letzten Häuser hinter sich lassend den Burgberg erklomm.
Vom Ufer des Finsterbachs, nach Überquerung der Brücke, führte der Urkenweg nach Norden, der Weg in Richtung Blautann und dann weiter zum Rhodenstein zweigte alsbald nach links ab. Von beiden ausgehend gab es einen Weg hinauf zur Burg Urkenfurt. Als Karrenweg ausgebaut, mit sanftem Anstieg und befahrbar war der Weg vom Urkenweg, der andere war eher ein Steig, der sich die Hangkante zum Fialgralwa entlang steil aufwärts schlängelte. Diesen wählte die Ritterin aus der Schwarzen Au. Leider blieb Lyssandra die schöne Aussicht auf das Flusstal verborgen. Zu dicht waberte der Nebel über dem Fialgralwa. Dann aber, als sie aus dem dichten, feuchten Weiß herausgetreten war, konnte sie die Burganlage über sich erkennen.
Von der Anstrengung des Anstiegs schnaufend erreichte Lyssandra den Graben, der die Burg auf dem Hochufer umgab und von einer kleinen, steinernen Brücke überspannt wurde. Das mehrstöckige Torhaus verfügte über eine hölzerne Zugbrücke, die den Zugang zur Burg für Angreifer erschweren sollte. Ein Waffenknecht stand Wache. Er erkannte Lyssandra wieder und grüßte. Unnötigerweise erklärte er der Ritterin, dass die Baronin nicht in der Burg weilte. Die Finsterbornerin nickte.
„Ich weiß, Mann, denn ich war mit ihr in Pallingen. Ich komme auch gar nicht zu ihr, sondern möchte den Ritter Ludopoldt von Geißenbart sprechen. Er wird ja wohl anwesend sein, oder nicht?“
Der Waffenknecht, ein Jungspund von vielleicht 20 Wintern, nickte eilfertig. „Ist er, Hohe Dame. Wenn Ihr mir bitte folgen wollt…“
Er geleitete sie durch den Torbogen und bog nach links. Das Torgebäude hatte einen Turm als Anbau. In ihm konnte man in sowohl in das Torgebäude als auch auf den Wehrgang entlang der Mauer hinaufsteigen. Lyssandra erklomm die Stufen. Sie waren an der Tür zum Wehrgang und der ersten Tür zum Torgebäude vorbeigegangen und erst ein weiteres Stockwerk darüber öffnete der Waffenknecht die hölzerne Tür. Vor ihnen lag ein Wachraum. In der Mitte des Raumes befand sich ein großer Holztisch, auf dem eine Karaffe und mehrere Becher standen. Viele Fenster ließen das karge Licht des Traviamondes in die Wachstube. Über der Zugbrücke schob sich ein Erker hinaus, der mit gleich drei Fenstern nicht nur die Möglichkeit bot zu erkennen, wer sich der Burg näherte, sondern auch denjenige entsprechend zu begrüßen. Sei es mit Pfeil und Bogen oder der Wappenflagge der Baronin. Beides stand griffbereit neben dem Stuhl, der sich unter dem mittleren Fenster befand.
Auf diesem Stuhl saß ein großer, breitschultriger Mann von etwa 60 Wintern. Er trug ein Kettenhemd über den Beinlingen, die mit Wickelgamaschen befestigt in ausgetretenen Stiefeln steckten. Der Haaransatz des ergrauten Haupthaares war schon weit zurückgewichen. Als die Tür sich öffnete, blicke er auf. Er schien Lyssandra zu erkennen und erhob sich zum Gruß.
Die Ritterin ging ihm entgegen und entbot ihm den Unterarm für den Rittergruß. Ludopoldt von Geißenbart schlug ein. Er hatte eine feste Stimme. „Rondra zum Gruße, Lyssandra von Finsterborn. Ich habe dich kommen sehen.“
Die Ritterin aus der Schwarzen Au erwiderte den ritterlichen Gruß. „Rondra zum Gruße, werter Ludopoldt. Ich bin gewissermaßen die Vorhut. Grimmwulf wird erst in ein paar Tagen erscheinen. Doch mich treiben die dringenden Nachforschungen über den Mädchenmord in der Schwarzen Au zurück. Hast du bereits etwas in Erfahrung bringen können?“
Ritter Ludopoldt schüttelte den Kopf. „Ich musste ja hier die Stellung halten während Grimmwulf und Pirejus auf der Hochzeit der Gräfin sind. Die Nachforschungen müssen warten bis die beiden wieder hier sind.“
Lyssandra seufzte. Sie verstand natürlich, dass die Baronin ihre Burg und die Siedlung nicht ohne Bewachung lassen wollte, doch das bedeutete natürlich eine weitere Verzögerung.
„Nun, ich habe vor, dich bei deiner Aufgabe zu unterstützen und möchte auch noch einmal Nachforschungen in den anderen, früheren Todesfällen von jungen Mädchen in Urkentrutz anstellen. Vielleicht können wir uns über diese noch einmal unterhalten?“
Der Dienstritter sah Lyssandra ein wenig abschätzig an. Es war zu erkennen, dass er sich fragte, ob sie ihm die Untersuchung der Todesfälle nicht zutraute. Entsprechend eingeschnappt kam die Antwort.
„Wenn du glaubst, dass ich mit der Aufgabe überfordert bin, sag es mir doch grad heraus, anstatt mir hinterhältig deine Hilfe anzubieten!“
Die Ritterin biss sich auf die Zunge. „So war es nicht gemeint und so habe ich es auch nicht gesagt, Ludopoldt! Ich weiß wie schwierig es ist so viele Informationen zu sammeln, zumal du dich in der Schwarzen Au ja auch nicht so gut auskennst wie ich. Mein Vorschlag: wenn die Baronin wieder zurück ist und du die Ermittlungen aufnehmen kannst, begleite ich dich in die Schwarze Au. Dann können wir die bisherigen Erkenntnisse, die wir beide gesammelt haben, zusammentragen und vielleicht schneller zu einem Ergebnis kommen. Was denkst du über diesen Vorschlag?“
Ludopoldt sah Lyssandra noch immer zweifelnd an, musste sich dann aber eingestehen, dass sie recht hatte.
„Hm, nun, das ist vielleicht wirklich am besten. Es geht ja schließlich darum, den Kerl dingfest zu machen!“
Erleichtert lächelte die Finsterbornerin ihn an. „Na prima. Ich habe Quartier im „Brückenwirt“ bezogen. Du kannst mir ja eine Nachricht zukommen lassen, sobald du weißt, wann du in die Schwarze Au aufbrechen willst. Ich habe noch ein paar Dinge in Urkenfurt zu erledigen.“
Der Dienstritter nickte. „Das mache ich. Wobei du auch hier auf der Burg wohnen kannst. Grimmwulf hat bestimmt nichts dagegen.“
Lyssandra winkte ab. „Nicht nötig, Ludopoldt. Sonst ist der Weg weiter für mich, für meine Erledigungen. Aber wenn es dich nicht stört, nehme ich hier noch eine kleine Stärkung zu mir. Du hast doch vermutlich auch noch nichts gegessen, oder?“
Der grauhaarige Ritter nickte erfreut. „Eine gute Idee, lass uns mal Dorntrud, die Köchin fragen, was sie vorbereitet hat.“
***
Die Köchin Dorntrud war eine freundliche Frau, der man die Liebe zum Essen durchaus ansah. Sie hatte ausladende Hüften und war auch an anderen Stellen reichlich gesegnet, das Gesicht mit rosigen Bäckchen und unter der Haube blonde Locken, die neben den Ohren hervorspitzten. Dorntrud war die Herrin über das Backhaus, das dem Stall gegenüberlag. Das kleine Fachwerkgebäude mit dem spitzen Giebel enthielt einen Backofen und eine weitere Feuerstelle über der man Fleisch braten oder Suppentöpfe aufhängen konnte. Die Wände waren mit Regalen vollgestellt in denen Töpfe und Tiegel ebenso ihren Platz fanden wie Schüsseln, Platten und Holzbretter für die Tafel der Baronin. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch auf dem die Köchin ihre Arbeitsutensilien verteilt hatte. Eine große Klappe im Holzboden ließ erahnen, dass sich im fensterlosen Untergeschoss die Vorräte befanden und eine steile Holzstiege in das Dachgeschoss legte die Vermutung nahe, dass die Köchin dort schlief.
Während Ludopoldt der Köchin ein Brotzeitbrett mit Schinken, Hartwurst und Käse abschwatzte, sah sich Lyssandra neugierig um. Von oben waren Kinderstimmen zu vernehmen und nach einer Weile ließ sich ein rothaariger Junge von vielleicht fünf Wintern auf den obersten Stufen sehen. Wenig später erschien auch das Gesicht eines blonden Mädchens im Ausschnitt der Treppe. Sie mochte vielleicht drei Winter zählen. Der Junge mit den Feenküsschen im Gesicht erwies sich als neugierig und mutig. Er fragte die unbekannte Frau grad heraus: „Wie heißt du?“.
Dorntrud, die Lyssandra gerade ein Körbchen mit noch dampfendem Fladenbrot in die Hand drückte, schimpfte ihren Sohn postwendend. „Holder, sei nicht so vorlaut! Das gehört sich nicht! Außerdem siehst du doch, dass das eine Dame von Stand ist, eine Ritterin. Wie begrüßt man eine Ritterin?“
Der kleine Junge schob die Unterlippe bockig nach vorne und verschwand sogleich wieder im Obergeschoss. Ein knurriges „mir doch egal“ war noch zu hören begleitet vom Kichern seiner kleinen Schwester. Wenig später hörten die Erwachsenen die trappelnden Kinderfüße auf dem Holzboden und konnten sich sicher sein, dass die beiden Racker wieder spielten.
„Entschuldigt, Wohlgeboren! Er ist gerade besonders trotzig. Ich werde ihn mir nachher vorknöpfen und ihm die Löffel langziehen!“, versprach die Köchin.
Die Ritterin aus der Schwarzen Au lachte. „Lass gut sein, Dorntrud! Ich habe selbst drei Kinder und weiß sehr gut, dass sie es dann und wann mit den Manieren nicht so genau nehmen.“
Interessiert sah die Köchin von der Schüssel auf, in der sie gerade einen Frischkäse mit frisch geriebenem Meerrettich vermengte.
„Wie alt sind Eure Kinder, wenn ich fragen darf, Hohe Dame?“
Lyssandra zählte auf: „Minerva ist 16, Theofried 14 und die jüngste, Eylin, ist 9 Winter alt.“
Da lächelte Dorntrud und nickte. „Na, dann sind die ja schon aus dem Trotzalter raus. Oder etwa nicht?“
Auch die Ritterin lächelte und wog den Kopf. „Sollte man meinen, was? Aber besonders bei den Mädchen scheinen sich die Phasen von Vernunft und Unvernunft schnell abzuwechseln. Beide haben Launen wie das Wetter und wie du sicher weißt, Dorntrud, kann das von einem Moment auf den anderen umschlagen.“
Die Köchin lachte. „Ja, das kenne ich!“ Sie drückte Lyssandra nun auch das Schälchen mit dem Meerrettichfrischkäse in die Hand. „Wenn Ihr möchtet, könnt ihr drüben im Gästehaus essen. Da ist genug Platz. Ich bringe gleich noch Getränke. Kräuterlimonade gefällig, Wohlgeboren? Habe ich frisch angesetzt.“
Lyssandra nickte erfreut. „Gerne!“
Als sie sich zum Gehen wandte, drehte sich die Ritterin noch einmal zu Drontrud um.
„Ist es nicht sehr traurig für Grimmwulf, dass sie nur ein Kind bekommen hat und dieses noch nicht einmal in ihrer Nähe ist?“
Dorntrud blickte von Lyssandra zu Ludopoldt. Sie schien unsicher zu sein, ob sie der Ritterin antworten durfte. Dann hob sie resignierend die Schultern. „Das Wirken der Alverianier ist manchmal nicht zu verstehen. Irgendwas müssen sich Tsa, Travia, Peraine und die anderen ja wohl dabei gedacht haben…“
Die Ritterin der Schwarzen Au versuchte ihre Enttäuschung über die karge Antwort zu verbergen. Sie lächelte stattdessen und drehte sich zu Ludopoldt um, der bereits im Türrahmen stand. Dann verließen sie das Küchengebäude und zogen sich in den Speiseraum des Gästehauses zurück, den sie von ihrem letzten Aufenthalt auf der Burg noch kannte.
***
Beim Gespräch mit Ritter Ludopoldt erfuhr Lyssandra mehr über den Spross der Baronin. Bereitwillig erzählte er von der Liebenswürdigkeit Ingrolds, der, solange er auf der Burg war, bei allen beliebt war. Er wirkte einfältig, sprach nur das Nötigste und sowohl die Mutter wie auch die Traviageweihte Mutter Marinad haben viel Zeit darauf verwendet ihm das Lesen und Schreiben beizubringen. Dass er dennoch eine gewisse Art Intelligenz besaß wurde klar, wenn man ihm ein Rätsel stellte oder ihm eine philosophische Frage stellte. Darüber konnte er halbe Tage lang grübeln. Bei den Burgbewohnern war er beliebt, wenngleich ihn alle ein wenig seltsam fanden und hinter vorgehaltener Hand seine Mutter bemitleideten, da Ingrold so gar nicht zum Nachfolger taugte. Als Junge hatte er viel Zeit damit zugebracht, dem Schmied oder der Köchin Dorntrud zuzusehen, war oft im Stall gewesen oder hatte in Begleitung eines der Knechte die Burg verlassen, um die Tiere zu weiden oder die Wiesen zu mähen. Auch bei Ritter Ludopoldt und den Waffenknechten und Schildmaiden im Torturm war er oft gesessen und hatte zu einem der vielen Fenstern hinausgesehen. Als Heranwachsender war er dann meist sinnierend oder lesend in irgendeiner Ecke der Burg gehockt. Was seiner Mutter zunehmend Sorgen bereitet hatte, war die Tatsache, dass er mit beginnender Adoleszenz die Burg ab und an heimlich verließ. Nie antwortete er auf die Fragen wo er denn gewesen sei, wo er sich herumtriebe. Diese schlechte Kontrollierbarkeit hatte schließlich auch dazu geführt, dass Grimmwulf ihren Sohn in die Hände der Traviakirche gab und ihn außerhalb der Baronie in einen Tempel schickte. Sicherlich noch immer in der Hoffnung darauf, dass der Einfluss der Eidmutter eines Tages einen Erben für den Baronsthron aus ihm machen würde.
Angesprochen auf den Verdacht, den der Kesselflicker Firnmar in die Welt gesetzt hatte, als er in dem übermäßig groß gewachsenen, seltsam schlaksigen jungen Mann, der sich in den Tagen vor und nach der Ermordung von Ilmentrud Weichselbaumer in der Gegend um die Schwarze Au und die Weggaststätte „Seidelbast-Rast“ aufgehalten hatte, den Baronet erkannt haben wollte, schüttelte Ludopoldt entrüstet den Kopf.
„Unmöglich war das Ingrold! Zum einen ist der ja seit mehr als drei Götterläufen außerhalb der Baronie in einem Traviatempel und zum anderen ist der zu so einer Tat gar nicht fähig!“
Ludopoldt schüttelte immer wieder nachdenklich den Kopf. „Klar passt die Beschreibung, aber es wird ja wohl in Urkentrutz mehrere große, schlaksige, junge Männer geben, auf die diese Beschreibung passt.“
Auf die Frage, ob der Junge jähzornig gewesen sei und wie er sich im Umgang mit Mädchen verhalten habe, dachte der Ritter wieder nach.
„Nun, er war zu allen freundlich und als er älter wurde hat er schon Interesse an Mädchen gezeigt, aber da er ja nicht so gut mit Worten war, hat er sie mehr beobachtet als das Gespräch gesucht. Jähzornig konnte er schon auch mal werden, vor allem wenn er etwas unbedingt haben wollte und nicht verstanden hat, warum er das jetzt nicht haben darf. Aber Grimmwulf und Mutter Marinad ist es immer gelungen ihn dann mit irgendwas abzulenken. Dann hat er sich schnell wieder beruhigt. Er hatte ja schon Kraft, der Baronet. Ungewöhnlich groß wie er ist, hat er auch große, kräftige Hände. Der Schmied hat ihn deshalb auch gerne zum Helfen geholt, wenn eines der Rösser beschlagen werden musste. Aber lassen wir das Thema! Erzähl mir lieber von dem neuen Mordfall!“
Lyssandra berichtete ausführlich von ihren Untersuchungen und der Befragung der Bewohner des Ortes Schwarze Au. Sie ging auch noch einmal auf die Gespräche im Weggasthof „Seidelbast-Rast“ ein. Je ausführlicher sie die Beobachtungen schilderte desto nachdenklicher schien Ludopoldt zu werden. Mehrfach fragte er nach. Aber ähnlich wie Grimmwulf in ihrem Gespräch vor der gräflichen Hochzeit zu Pallingen, entspannten sich letztlich seine Gesichtszüge. Er lehnte sich zurück und trank den letzten Schluck seiner Kräuterlimonade.
„Also, wenn du mich fragst, dann ist die Sache klar. Der Mörder kommt aus einer anderen Baronie. Er ist regelmäßig auf der Durchreise durch Urkentrutz, das zeigt die Häufung der Morde an den Straßen. Wahrscheinlich pickt er sich dann immer ein Mädchen raus, das ihm gefällt und bringt es um. Vielleicht sollten wir in den Nachbarbaronien nachfragen, ob es dort eine ähnliche Häufung von Mädchenmorden gibt?“
Die Ritterin der Schwarzen Au nickte nachdenklich. „Daran habe ich auch schon gedacht und bereits in Pallingen meinen Freund Gilborn von Pandlaris-Wellenwiese befragt, den Junker von Wiesenrath, das unweit der Baroniegrenze liegt. Aber er konnte nichts von etwaigen Verbrechen berichten und bei der Beschreibung fiel auch ihm nur der Baronet ein. Dennoch sollte man Grimmwulf darauf ansprechen. Sie kann sicher ihre Beziehungen spielen lassen und die Nachbarbaroninnen und Barone anschreiben. Schlag ihr das doch vor, wenn sie zurück ist. Das würde unsere Ermittlungen vielleicht erleichtern.“
Ludoboldt nickte und erhob sich. „Ich muss dann wieder! Wenn die Baronin zurück ist, lasse ich es dich wissen. Dann brechen wir in die Schwarze Au auf!“
Lyssandra verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zurück ins Dorf Urkenfurt.