Spätsommer in der Schwarzen Sichel

Die Kälte wanderte mit ihnen – oder sie wanderten mit der Kälte. Rigbald von Granelfels, Leutnant seit kurzem und seitdem auch gewandelt, sprang geschmeidig von Stein zu Stein, hastete einen steilen Abhang hinauf und kauerte sich auf den Grat. Sein Atem ging stoßweise und er bedauerte es, dass der Wolfsmond noch auf sich warten ließ. Er lächelte. ‘Aber nicht mehr lange’, ging es ihm durch den Kopf. Die Reste seiner ‘Hand’ schlossen zu ihm auf, keuchten und ächzten vom schnellen Lauf in ihren schweren Rüstungen.

Unter ihnen im Tal glommen winzige Feuer auf, als die Schwarzen Ritter ihr Nachtlager einrichteten. Die Hetzer hatten die Gruppe schon am Mittag verlassen. Jagen wollten sie und den morgigen Weg auskundschaften. Die Erste der Meute hatte angedeutet, dass sie heute schon in Sichtweite ihres Ziels sein könnten.

Rigbald spähte aus zusammengekniffenen Augen über die Berge. Dunkelheit stieg empor, doch seine scharfen Augen erkannten, dass vor ihnen noch immer Sommer war. Ersterbender Sommer, doch die Bäume trugen noch ein grünes Kleid, zuweilen gelb oder rot gesäumt. Das würde sich ändern und vor den Getreuen des Herzogs würde ein jäher Winter über die Menschen Weidens kommen. Manatha Langatem hatte nicht zu viel versprochen, Kälte und Frost bahnte ihnen einen Weg, öffneten Wege, die bislang unpassierbar waren. Rigbald fragte sich nur, welchen Preis Sokramors Hetzer dafür einfordern würden und er hoffte, dass Unschuldige ihn zahlen mussten.

Er deutete vor sich. In weiter Ferne blinzelte ein winziges glühendes Auge. “Das dort könnte er sein, der Aarenstein.” Er legte seinen Kopf in den Nacken und suchte nach einer Witterung. Doch in menschlicher Gestalt waren seine Sinne beschränkt. Frustriert knurrte er, dann jedoch stieß er ein forderndes Heulen aus. Zwei seiner Ritter fielen mit ein. Dann lauschten sie und die Wölfe im Nachbartal antworteten, nahmen den Ruf auf, hießen sie willkommen.

Rigbald lächelte.