Der Unhold
Festwiese vor deren Toren der Grafencapitale Salthel, Peraine 1046 BF
Sehr zu Gringolfs Erleichterung war der vermaledeite Rauheneck tatsächlich auf dem Turnierplatz aufgetaucht. Deutlich zu spät zwar, für seinen Geschmack. Er hatte schon daran gezweifelt, dass es überhaupt noch passieren würde, und in Gedanken an ein paar wortreichen Erklärungen gefeilt, die er seinem Grafen im äußersten Notfall vortragen konnte.
Zum Glück blieb ihm das nun erspart – Selbiges galt bloß leider nicht für einen Blick ins Gesicht des Rotenforsters, dessen schlechte Laune nahezu greifbar war.
Der Mann führte sich auf, als hätte man eines seiner Kinder gezüchtigt, seine Frau verführt, sein Ross gestohlen oder so. Jedenfalls nicht, als würde ihm die Ehre zuteil, vor den Augen des künftigen Herzogs und später vielleicht auch seines Grafen zu streiten. Vor großem und hohem Publikum zu zeigen, was in ihm steckte, und dabei mit etwas Glück zur Abwechslung sogar mal einen halbwegs passablen Eindruck zu hinterlassen. Nach allem, was gemunkelt wurde, war er ein formidabler Kämpfer. Was sprach also dagegen, hier mitzumischen?
Gringolf verstand die Vorbehalte des Rotenforsters beim besten Willen nicht, atmete aber befreit auf, als er kurz vor Beginn des ersten Kampfes endlich eintrudelte. Mit einigen wohlmeinenden Worten hatte er ihn zu den anderen Streitern geleitet und war danach zur Tribüne geeilt, um sich an die Seite von Prinz Arlan zu begeben. Er wollte das Fehlen des Wolkensteiners ausgleichen, dem gerade nicht der Sinn danach stand, sich mitten ins lärmende Chaos vor den Toren der Feste Aarkopf zu begeben. Bei seinem Abschied von den Kämpfern hatte der Högelsteiner zwar bemerkt, dass sich die Laune des einen oder anderen mit Ankunft des neuen Konkurrenten ebenfalls schlagartig verschlechterte, es aber schulterzuckend abgetan.
Würde schon gutgehen, hatte er bei sich gedacht.
So schien es zunächst auch. Gleichwohl bereitete es Gringolf leichte Probleme, das zu verarbeiten, was er vom Rauheneck seither geboten bekam. In seinem ersten Kampf fertigte er eine aufstrebende Rittfrau aus dem Balihoer Süden so schnell ab, dass hinterher keiner genau sagen konnte, was ihm eigentlich den Sieg einbrachte: Können oder Glück. Danach marschierte er durch eine erfahrene, aber etwas behäbige Ritterin des Hains sowie einen deutlich zu selbstbewussten Sichelritter hindurch, als würde es sich um offene Türen handeln. Und dann ...
... nun ja ...
... Gringolf sah betreten zu Goderick von Trussnitz hinüber, der just von ein paar verunsicherten Knappen auf eine hölzerne Trage gehoben wurde. Aus eigener Kraft würde er heute nirgendwo mehr hingehen. Und morgen sicher auch nicht am Buhurt teilnehmen.
Der Baron von Rotenforst hatte den Adjutanten der Heermeisterin der Sichel gerade in seine Einzelteile zerlegt und verließ den Ring nun, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Das war, offen gesprochen, ziemlich unehrenhaft.
Skandalös geradezu!
Gringolf schielte unauffällig zum Prinzen hinüber, auf dessen Stirn sich eine steile Falte gebildet hatte, während er den Abgang des Rauheneck beobachtete.
„Was für ein netter Kerl“, meinte Arlan leichthin. „Ist das einer von deinen Leuten, Gringolf? In dem Fall würde ich anregen, dass du den Lehrplan für eure Knappen um ein paar Stunden in Anstand und Etikette erweiterst. Und dass ihr euch bei der Vermittlung rondrianischer Tugenden künftig ein bisschen mehr Mühe gebt!“
„Das ist Widderich von Rauheneck“, Gringolf spürte, wie ihm Schamesröte ins Gesicht stieg, und räusperte sich vernehmlich, weil auch seine Stimme nicht so geklungen hatte, wie er sich das wünschte. „Der ist Mitte 40, hat also schon vor einer ganzen Weile ausgelernt. Damals hatte Herr Ralmir hier noch das Sagen und die Dinge liefen ein bisschen anders.“
„Ein bisschen nur? Na dann Prost Mahlzeit!“
„Es handelt sich da eher um ein ... persönliches Problem, Arlan, du solltest nicht vom Verhalten eines unserer Ritter auf alle anderen schließen.“
„Der Rauheneck ist ein persönliches Problem? Von wem denn? Oder meinst du, dass er ein persönliches Problem hat?“
Beides eigentlich.
Der Mann stellte ein Problem für viele seiner Sichler Standesgenossen dar und hatte darüber hinaus offensichtlich auch mit zahlreichen eigenen Problemen zu kämpfen, von denen Gringolf die ungehobelte Art noch für eines der kleineren hielt. Er glaubte allerdings nicht, dass es eine gute Idee gewesen wäre, dem Prinzen einen Vortrag darüber zu halten. Und eigentlich hatte er es so auch gar nicht gemeint. Gringolf schüttelte den Kopf und seufzte leise:
„Es gibt ein Problem zwischen Herrn Widderich und Herrn Goderick, das wollte ich damit sagen. Die beiden konnten sich schon nicht leiden, als sie noch hier am Hof als Knappen dienten. Und dann soll es auf dem Zug gen Mendena einen unrühmlichen Vorfall gegeben haben, bei dem der eine den anderen ... und auch seine Familie schwer beleidigt hat. Ich schätze, das Spektakel da eben ist eine Spätfolge gewesen.“
Wenn es ja wenigstens ein Spektakel gewesen wäre!
Wenn es in dem Kampf Schauwerte gegeben hätte, um das Publikum zu begeistern und mitzureißen. Einen Schlagabtausch zweier ebenbürtiger Gegner, in dem Rüstungen blitzten, Klingen sangen und vielleicht auch der Prinz etwas sah, das ihm gefiel. Dazu war der Stil des Rauheneck nur leider überhaupt nicht angetan. Beim Trussnitzer hatte Gringolf ein paar Ansätze der eleganten Kunstfertigkeit erspähen können, die er herbeisehnte. Die waren nur unglücklicherweise verstörend schnell an einem Wall ebenso schnörkel- wie mitleidloser Gleichgültigkeit zerschellt.
Und dann war es auch schon wieder vorbei gewesen.
„Wer hat wen beleidigt?“
Gringolf bekam die Frage des Prinzen nur am Rande mit und hätte sich eine Antwort lieber gespart, weil sie leider nicht in das Bild passen würde, das er von den beiden Männern hatte.
„Der Trussnitzer den Rauheneck“, gab er nach kurzem Zögern pflichtschuldig zu Protokoll.
„Und seine ganze Familie gleich mit? Wie das?“
„Er hat sie von der Schlacht am Wolfenstein ausgeschlossen, so geht die Mär. Offenbar hat er Herrn Widderich damals ins Gesicht gesagt, die seine Familie es nicht wert sei, an der Seite der anderen Ritter zu kämpfen und zu sterben. Sie könne aber gern später, wenn alles vorbei ist, die Leichen fleddern, wie bei Pack eben üblich. So was in der Art wohl. Ich muss hier nur unbedingt eine Lanze für Herrn Goderick brechen: Der ist für gewöhnlich nicht s...“
Weiter kam er nicht, denn der Löwenhaupter stieß erst einen ungläubigen Pfiff und dann ein leises Lachen aus:
„Ich würd sagen, dann verdient er die Trachtprügel, die ihm gerade verabreicht wurde. Wenn jemand so über meine Familie reden würde ...“
„Na, du willst deine Familie ja wohl hoffentlich nicht mit seiner vergleichen? Weißt du denn nicht, wer die Rauhenecks sind?“
„Nicht gut genug, schätze ich. Klär mich auf!“
Gringolf sah Arlan zweifelnd an und erkannte in seinen Augen ein Interesse, das er beim besten Willen nicht hatte wecken wollen. Alles in ihm sträubte sich dagegen, dem Prinzen nun ausgerechnet über eine Sichler Familie zu berichten, deren Schilde wahrlich nicht mit Ruhm behangen waren. Das würde wohl kaum dazu führen, dass er einen guten Eindruck von der Grafschaft bekam – und genau darum ging es hier ja eigentlich.
„Ach nein, ich schlage vor, das holen wir wann anders mal nach. Gerade haben wir doch Besseres zu tun, oder etwa nicht?!“, er machte eine Geste in Richtung Turnierfeld, wo sich mittlerweile zwei neue Kämpfer eingefunden hatten, und hoffte auf das Beste.
Arlan folgte dem Wink allerdings nur kurz, warf einen prüfenden Blick auf die Streiter und hob dann gleichmütig die Schultern:
„Ich denke, das eine lässt sich ganz gut mit dem anderen verbinden. Erzähl! Wenn da unten was Spannendes passieren sollte, können wir ja immer noch unterbrechen.“
***
Gringolf hatte sich um einen ausgewogenen Bericht bemüht. Das war bei der Familie Rauheneck aber gar nicht so einfach, weil es über sie nun mal leider viel Negatives zu erzählen gab. Fand er jedenfalls. Komischerweise schien das Meiste davon bei Arlan nicht recht anzukommen.
Dass sie ihren Baronen über Jahrhunderte hinweg immer mal wieder die Gefolgschaft verweigert hatten, interessierte den Prinzen offenbar nicht so sehr wie ihre bislang gerüchteweise unverbrüchliche Treue zum Herzogenhaus. Dass Widderich seinem direkten Lehnsherrn Erzelhardt von Graufenbein die Fehde erklärt hatte, beschwor weit weniger Fragen herauf als seine Vergangenheit im Kampf gegen die Erben Borbarads. Und die Tatsache, dass er die Hand einer Großnichte Bunsenholds ausgeschlagen hatte, um eine mehr oder minder mittellose, dafür aber ... gut bestückte Bronnjarin zu ehelichen, löste herzliches Gelächter aus.
Nach ihrem Gespräch schlug sich Gringolf noch eine Weile mit widerstreitenden Gefühlen herum. Auf der einen Seite war er götterfroh, dass seine Worte beim Löwenhaupter nicht die befürchtete Skepsis gegenüber dem Sichler Adel als solchem ausgelöst hatten, der ja auch ohne Fehlleistungen solcher vogelwilden Querschläger gern mal zu hören bekam, dass er zu stur und aufrührerisch sei. Auf der anderen Seite fragte er sich, ob er vielleicht irgendwie die falschen Schwerpunkte gesetzt hatte. Bei seiner Erzählung oder bei der bisherigen Bewertung des weithin verschrienen „Unholds von Sturmrætzvallt“.
Darauf dachte er fruchtlos herum, bis das Geschehen auf dem Turnierfeld seine Aufmerksamkeit wieder ganz gefangen nahm.
Gringolf hatte den Rauheneck praktisch schon vergessen, als er das nächste Mal in die Schranken trat. Sein Visier trug er, wie bislang, geschlossen, da er offensichtlich kein Interesse daran hatte, mit irgendjemandem in Kontakt zu treten. Das war akzeptabel, denn das Reglement ließ es zu, und darüber hinaus sicher auch gut so: Auf die Art bekam niemand außer den leidgeprüften Gegnern des Mannes etwas von seiner bodenlos schlechten Laune mit.
Völlig anders betrug sich sein Kontrahent. Haldoran von Friggenhaupt – ehemals Hauptmann der Wulfengarde in Weißtobrien, heuer Gemahl der Baronin von Drachenstein – hatte den Helm lässig unter seinen Arm geklemmt und erwies Arlan ganz selbstverständlich die Reverenz, ehe er sich mit einem zufriedenen Lächeln zum Rotenforster umwandte.
Gringolf schwante in dem Moment schon wieder Übles, denn diese beiden Männer waren auch nicht unbedingt bekannt dafür, si...
„Mit Haldoran wird er kein leichtes Spiel haben“, stellte der Prinz just fest.
Gringolf nickte zustimmend.
Der Friggenhaupter hatte auf dem Weg in diese Runde unter anderem Thûan Fîrnbold von Erlbach bezwungen, der zwar mittlerweile stramm auf die 70 zuging, aber noch immer eine sehr gefährliche Klinge führte und zu den besten Streitern der Grafschaft gehörte.
„Gibt es zwischen diesen beiden auch irgendwelche persönlichen Probleme, von denen ich wissen sollte?“, hakte Arlan unterdessen nach.
„Nun ja ... hatte ich dir berichtet, dass der vormalige Baron von Rotenforst – also der, mit dem Herr Widderich in Fehde lag und dessen Tod er dadurch heraufbeschworen hat – mit der Schwester von Haldorans Gemahlin verheiratet war?“, Gringolf konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen. „Oder von der Sache mit Hahnfels?“
„Ahje ...“
Der Löwenhaupter hätte sicher noch mehr gesagt, wenn die Kontrahenten unten auf dem Platz nicht just in diesem Moment zum ersten Mal aufeinandergetroffen wären: Das schrille Kreischen des Stahls, das von erschrockenen Ausrufen einiger Zuschauer untermalt wurde, beendete ihr Gespräch schlagartig und ließ sie beide neugierig die Hälse recken.
Sollte es jetzt etwa doch noch Schauwerte geben?
Aufmerksam verfolgte Gringolf, wie sich die Männer nach dem ersten, unerwartet heftigen Schlagabtausch zurückzogen und einander kurz belauerten, ehe der Friggenhaupter erneut zum Angriff überging – mit der Präzision und Vielseitigkeit eines erfahrenen Kämpfers. Der Schwertreigen war ihm so sehr ins Blut übergegangen, dass er handeln konnte, ohne groß nachdenken zu müssen. Das Gleiche galt jedoch für seinen Gegner, und zwar ohne Abstriche, wie Gringolf just feststellte. Nach den vorangegangenen Runden kam das für ihn etwas unerwartet, da der Rauheneck bislang recht unauffällig, ja, mitunter fast teilnahmslos gestritten hatte. Doch jetzt schien er plötzlich hellwach, legte mühelos ein paar Schippen drauf.
Es versprach ein guter Kampf zu werden – der Meinung schien auch Arlan zu sein, denn aus dem Augenwinkel konnte Gringolf ein anerkennendes Nicken wahrnehmen.
Na also!
Auf dem Feld der Ehre hatte der Friggenhaupter den Rauheneck derweil mit einer Serie überaus manierlicher Attacken eingedeckt – mal schneller, mal langsamer, mal gewitzter, mal brachialer – war mit alledem aber nicht durch eine bemerkenswert solide Wehr gebrochen. Jetzt sollte das erste Abtasten offenbar vorbei sein, denn Haldoran machte Anstalten, sich erneut zurückzuziehen. Wie es eben üblich war: um kurz durchzuatmen und eine Taktik zu wählen, nachdem er seinen Gegner etwas besser kennengelernt hatte.
Der spielte allerdings nicht mit.
Das Angebot einer Verschnaufpause schlug Widderich von Rauheneck aus, obwohl er sicher auch gut eine hätte gebrauchen können. Stattdessen setzte er nach und den Drachensteiner gehörig unter Druck: In einer Geschwindigkeit, die er heute noch nicht ansatzweise an den Tag gelegt hatte, gingen seine Streiche auf den Friggenhaupter nieder. Dabei schien er selbst kleinste Schwächen in der Verteidigung des Gegners vorauszuahnen und nutzte sie ohne Zögern aus.
Bald schon glich der anfänglich geordnete Rückzug Haldorans mehr einer Flucht und er hatte seine liebe Mühe damit, Schaden von sich abzuwenden. Dennoch hielt er dem Ansturm irgendwie stand, was hohe Anerkennung verdiente. Er schlug sich so gut es unter den gegebenen Umständen eben möglich war und ging irgendwann gar mit dem Mut der Verzweiflung zum Gegenangriff über, um sich aus seiner heiklen Lage zu befreien.
Das war der Moment, in dem der Kampf endgültig zu einem offenen Schlagabtausch geriet – laut, schnell, brachial und auf beiden Seiten äußerst verbissen geführt – und in dem es Arlan nicht mehr auf seinem Sitz hielt. Für die Dauer eines Lidschlags löste sich Gringolf vom Geschehen, um dem Prinzen einen neugierigen Blick zuzuwerfen. Er sah Begeisterung in dessen hellen Augen blitzen, offenbar war das hier ganz nach seinem Geschmack.
Und für ihn selbst galt das im Grunde ja auch.
Gespannt beobachtete er, wie sich der Drachensteiner unter einem seitwärts gegen seinen Kopf geführten Hieb hinwegduckte, nur um die eigene Klinge gleich darauf aus nahezu unmöglicher Position heraus in Richtung der rauheneckschen Leibesmitte vorschnellen zu lassen. Der Block kam im allerletzten Moment und sein Gegner wich einen halben Schritt zurück – merklich überrascht. Haldoran nutzte das, indem er eine rasche Finte hinterherschickte, die wohl zur weiteren Verwirrung gedacht war, vom Rotenforster aber schmählich ignoriert wurde.
Der Högelsteiner konnte das missbilligende Schnauben des Mannes förmlich hören und runzelte irritiert die Stirn, als er auch die nächste Attacke links liegen ließ, denn die war keinesfalls ein Ablenkungsmanöver: Der Rauheneck nahm einen Streiftreffer in Kauf, um völlig respektlos in die Komfortzone des Friggenhaupters einzudringen. Dabei wirkten seine Bewegungen auf einmal doch recht elegant, oder ... zumindest traumwandlerisch sicher.
Gringolf erhob sich nun ebenfalls, um ja nichts von dem anschließenden Hauen und Stechen auf engstem Raum zu verpassen, für das sich die Anderthalbhänder der Ritter wahrlich nicht anboten. In dem Durcheinander entgingen ihm aber offenbar dennoch ein paar Details, jedenfalls konnte er den genauen Hergang später in seinem Kopf nicht rekonstruieren:
Er sah nur, wie der Drachensteiner zurückwich und zugleich mit einem wuchtigen Hieb wieder mehr Abstand zwischen sich und seinen Kontrahenten bringen wollte – wie seine Klinge auf die des Rotenforsters traf, die einen silbrigen Kreis beschrieb, ehe sie mit unwiderstehlicher Kraft gegen die Rippen des Tobriers donnerte und ihn ins Straucheln brachte.
Begleitet von einem leisen „Potzblitz!“ Arlans stieß der Rauheneck erneut vor, um seinen Gegner mit einem weiteren kraftvollen Streich ganz von den Beinen zu holen. Haldorans Schwert – in einem letzten sturen Aufbegehren zur Abwehr gehoben – schlug er danach einfach zur Seite und legte die eigene Waffe demonstrativ an den Halsschutz des Tobriers.
„Na so was!“, mehr fiel Gringolf im ersten Moment nicht ein.
Gerade waren ihm innerhalb kürzester Zeit vollkommen unerwartet gleich mehrere hochkomplexe Manöver zu Gesicht gekommen, die ziemlich klar belegten, dass der Ruf des Rauheneck mehr war als bloß Schall und Rauch. Er wusste noch nicht so genau, was er davon halten sollte. Nur eines stand für ihn jetzt schon fest: Das hier war bislang der beste Kampf gewesen, den er heute zu Gesicht bekommen hatte.
Schweigend verfolgte er, wie die Kampfrichterin das Ende des Kräftemessens erklärte und seufzte erleichtert, als sich der Rotenforster vorbeugte, um seinem Gegner eine Hand entgegenzustrecken – auf dass er sich aufhelfen lasse.
„Ein bisschen Anstand hat er wohl doch“, meinte er da an Arlan gewandt.
Doch der schien ihn nicht zu hören. Der Blick des Prinzen hing noch an den beiden Streitern. Er starrte sie an wie gebannt, während es hinter seiner Stirn schwer zu arbeiten schien.
Worüber er wohl nachdachte?
Gringolf musste sich die Frage zum Glück nicht lange stellen: Es dauerte nur ein paar Herzschläge, bis sich der Löwenhaupter mit einem entschiedenen Nicken von dem Geschehen unten im Ring abwandte und ihn stattdessen ins Visier nahm. Seine Augen funkelten unternehmungslustig, zudem hatte sich eine leichte Röte auf seine Wangen gelegt. Irgendwas führt er fraglos im Schilde und würde sicher gleich erklären, was gen...
„Wie sieht’s aus, Gringolf, hast du noch einen freien Platz im Buhurt morgen zu bieten?“
Oha!