Burg Aarenstein, Baronie Böckelsdorf, Sommer 1044 BF
Lange Jahre kam nichts als schlechte, bis sehr schlechte Kunde aus der abgelegenen Balihoer Baronie Böckelsdorf. Allem voran vom Aarenstein, der einem unförmigen Schwalbennest gleich über dem Aartal hängt. Vor zehn Jahren verleibte ihn sich der lästerliche Dunkle Herzog Transysiliens ein und wehrte lange alle Versuche ab, ihn wieder zu vertreiben.
Nicht, dass es am Willen der Herrscher der Anrainerbaronien gelegen hätte. Doch auch die Weidener Schlagkraft ist endlich und die Lanzen und Klingen unserer Ritter waren an einer Vielzahl von Fronten gebunden. Im Sommer 1043 BF endlich gelang es einer ansehnlichen Streitkraft unter Gräfin Ardariel Nordfalk von Moosgrund zu Baliho endlich, dem verhassten Feind zu entreißen, was von jeher Weidenisch ist. Doch um welchen Preis? Neben der Gräfin fielen viele tapfere Weidener.. Viel betrauert ist dieser herbe Verlust und zugleich das Fundament grimmiger Entschlossenheit, den Aarenstein nimmer mehr herzugeben.
Ausdruck dieser Haltung ist es, die uneinnehmbare Felsenburg dem Orden zur Wahrung anzuvertrauen. Die Rhodensteiner sollen die Anlage nicht nur wieder herrichten, sie sollen außerdem vom Kloster Rondra Domina Trans Aquae ausgelagerte Schriften sicher in den Höhlen des Aarensteins verwahren. Zu dessen Abt wurde Radumar Sapiertus von Rhodenstein erhoben, der im Orden vor allem als versierter Kämpfer mit dem Speer bekannt und, ungeachtet seines steifen Fußes, bewundert ist. Er gebietet über ein halbes Dutzend Geweihte und Novizen, deren Augenmerk aber nicht nur den Schriften, sondern auch dem Aartal gilt.
Zum einen, weil sich die dämonischen Schrecken, die seit der feindlichen Besatzung dort ihr Unwesen treiben. Zum anderen, weil sich in den Ruinen des lange verlassenen Dorfes im Aartal unterdessen eine Abordnung des Dreischwesterordens niedergelassen hat. Angeführt von Äbtissin Ulsanza, die der Hüterin des Lebens geweiht ist, arbeiten die Ordensleute aufopferungsvoll daran, das Tal wieder bewohnbar zu machen und die niederhöllischen Schrecken zu vertreiben. Mit Erfolg, denn unterdessen haben sich einige wackere Weidener Bauern hier niedergelassen. Beschirmt von den Geweihten zweier Orden wagen sie einen Neuanfang, ganz, wie es der Ewigjungen eine Freude ist. Der urwüchsigen Natur wurden bereits einige Felder abgerungen und in den verwilderten Gärten gedeihen wieder Rüben, Bohnen und Kürbisse. Im ganzen Tal stehen unterdessen Bienenstöcke und allenthalben summen und brummen die Bienen. Ganz so, wie das Dorf vor Tatendurst brummt. Der den Bienen abgetrotzte Honig ist für die Aartaler ein besonderer Lohn für ihre harte Arbeit. Schon erhellen vor Ort gezogene Kerzen Schreibstube und Kapelle des Aarensteins, aber auch den kleinen Tempel im Dorf. Eine kleine Menge Honig wird zu schmackhaftem Met verarbeitet, der im Aartal verbleibt und für die hart arbeitenden Bauern und Geweihten eine süße Belohnung ist.
So scheint es, als wäre die jahrelange Schreckensherrschaft dunkler Mächte gebrochen und mit dem Segen der guten Götter wieder Licht, Hoffnung und Zuversicht im Aartal eingezogen.