Zweileuen, Gräflich Salthel, Firun 1039 BF
Entsetzliche Kunde aus Gräflich Salthel: Bei einer Feuerbrunst im Kloster Zweileuen sind rund 100 Menschen gestorben! Von der einst so stolzen Ordensfeste, die seit Jahrzehnten auf einem schroffen Felsen rund 30 Meilen östlich von Salthel direkt am Sichelstieg thronte, stehen nur noch Trümmer. Dass etwas nicht stimmt, ahnten viele brave Saltheler schon am 20. dieses Mondes: Als sich die Dämmerung über die Ausläufer der Schwarzen Sichel legte, leuchtete in ihnen ein heller Punkt auf, der dort nicht hingehörte. Er hielt sich die ganze Nacht und heizte allerlei Spekulationen an. Traurige Gewissheit gab es am Morgen des 21. Boron, als ein rußschwarzer und vollkommen entkräfteter Handwerker den Weiler Sichelweg auf halber Strecke nach Salthel erreichte. „Drachen“, soll das einzige Wort gewesen sein, das ihm über die Lippen kam, bevor er in Ohnmacht fiel.
Tatsächlich haben Drachen – nicht einer, sondern zwei – das Schicksal des trutzigen Gemäuers und der in ihm lebenden Menschen besiegelt. Obwohl das Kloster in der Vergangenheit aus Furcht vor Angriffen Lessankans mit so vielen feuerfesten Materialien wie möglich ausgebaut wurde, ist nicht mehr viel von ihm übrig: Der Atem der Echsen war so heiß, das alles, was nicht verbrannte, geschmolzen ist. Teile des umgebenden Felsens sind geborsten und Mauern von den schweren Leibern niedergerissen worden. Dabei galt der Zorn der Drachen den Angaben des Zeugen zufolge gar nicht dem Kloster selbst oder seinen Bewohnern. Vielmehr waren sie in einen Kampf miteinander verstrickt und erkoren ausgerechnet Zweileuen zum Austragungsort ihres Haders. Wie verheerend die Kraft der Ungetüme ist, davon legen die Ruinen nun beredtes Zeugnis ab.
Der Schaden an dem Gebäude ist aber bei Weitem nicht die schlimmste Folge des Kampfes. Wer die Berichterstattung Fantholis aufmerksam verfolgt, weiß, dass der Orden zur Hohen Wacht die Feste schon vor Jahren an Abt Asquirion Ingrasil von Perainefurten übergeben hat, damit der seine Idee von einer Schmiede für besonders rondragefälligen Nachwuchs in den Reihen der weidenschen und tobrischen Streiter umsetzen kann. Auf Zweileuen wurden Waisenkinder beider Herzogtümer zu ehrenhaften Kämpfern ausgebildet. Daher ist neben dem Verlust von zwei Geweihten auch der von 25 jungen Menschen und rund 70 Bediensteten zu beklagen, die teils auf der Feste, teils in dem ebenfalls verheerten Weiler Leuen zu ihren Füßen lebten.
Nicht unter den Toten sind Abt Asquirion und ein weiterer Geweihter, die in der Unglücksnacht nicht in dem Kloster weilten. Als sie zwei Tage nach dem Vorfall heimkehrten, soll Ehrwürden vor Gram fast der Schlag getroffen haben. Es heißt, dass er zwei Tage und zwei Nächte lang betend auf der Walstatt ausharrte – von Kummer gebeugt, doch mit fester Stimme und klarem Blick. Danach soll er sich erhoben und seinen Begleiter zu sich gerufen haben. Ohne einen Blick zurück ritten die beiden in die Schwarze Sichel hinein. Seither ward nichts mehr von ihnen gehört. (ncs/kr)